XRechnung oder ZUGFeRD? Die Unterschiede — und wann du welches Format brauchst
XRechnung ist eine reine XML-Datei ohne Sichtbild und der Standard für öffentliche Auftraggeber, häufig zusammen mit einer Leitweg-ID. ZUGFeRD ist ein PDF, in das derselbe Datensatz zusätzlich als XML eingebettet ist, und deshalb im Geschäft zwischen Unternehmen meist die praktischere Wahl. Beide erfüllen die europäische Norm EN 16931 und sind gleichwertig zulässige E-Rechnungen; bei Abweichungen zwischen Bild und Daten sind die strukturierten Daten maßgeblich.
Auf einen Blick
- XRechnung
- reines XML, Standard der öffentlichen Verwaltung
- ZUGFeRD
- PDF/A-3 mit eingebettetem XML, für Menschen lesbar
- Gemeinsame Norm
- EN 16931
- Gültige XRechnung-Version
- 3.0.2; Version 4.0 für Mitte bis Ende 2026 angekündigt
- Französisches Gegenstück
- Factur-X, gemeinsam mit ZUGFeRD entwickelt
- Bei Abweichung
- der strukturierte XML-Teil gilt
Wer sich zum ersten Mal mit E-Rechnungen beschäftigt, stolpert sofort über zwei Namen. Sie klingen wie konkurrierende Standards, sind aber eher zwei Verpackungen desselben Inhalts. Der Unterschied ist trotzdem wichtig — nur eben aus einem anderen Grund, als die meisten vermuten.
Die Gemeinsamkeit zuerst
XRechnung und ZUGFeRD erfüllen beide die europäische Norm EN 16931. Diese Norm legt fest, welche Angaben eine elektronische Rechnung enthalten muss und wie sie benannt werden: Rechnungsnummer, Leistungsdatum, Steuersätze, Zahlungsbedingungen, Angaben zu Verkäufer und Käufer und einige Dutzend weitere Felder. Wer die Norm erfüllt, stellt eine gültige E-Rechnung aus — unabhängig davon, in welcher Hülle die Daten stecken.
Diese Hülle ist der eigentliche Unterschied.
XRechnung: nur Daten, kein Bild
Eine XRechnung ist eine reine XML-Datei. Wenn du sie doppelklickst, siehst du spitze Klammern und Feldnamen — kein Briefkopf, kein Logo, keine Tabelle. Das ist kein Mangel, sondern Absicht: Die Datei ist für Programme gedacht, nicht für Augen.
XRechnung ist der Standard der deutschen Verwaltung. Wer an Behörden, Kommunen oder öffentliche Einrichtungen fakturiert, wird in aller Regel genau dieses Format liefern müssen — häufig zusammen mit einer Leitweg-ID, einer Art Postanschrift im Behördennetz, die dir der Auftraggeber nennt. Ohne sie landet die Rechnung nirgendwo.
Gültig ist derzeit die Version 3.0.2. Eine Version 4.0 ist für Mitte bis Ende 2026 angekündigt und hängt an der Freigabe der überarbeiteten EU-Norm. Panik ist unnötig: Nach der Veröffentlichung wird es eine Übergangsfrist geben, in der 3.0.2 weiter gilt.
ZUGFeRD: ein PDF mit Innenleben
ZUGFeRD dreht die Sache um. Du bekommst ein ganz normales PDF, das aussieht wie jede andere Rechnung — mit Logo, Layout und lesbaren Zahlen. Zusätzlich steckt in dieser Datei ein eingebetteter XML-Datensatz mit denselben Angaben in maschinenlesbarer Form. Ein Mensch sieht das PDF, eine Software liest das XML.
Das macht ZUGFeRD im Geschäft zwischen Unternehmen oft zur angenehmeren Wahl: Dein Kunde kann die Rechnung öffnen und verstehen, auch wenn seine Buchhaltung noch nichts automatisch einliest. Das französische Pendant heißt Factur-X und wird gemeinsam mit ZUGFeRD weiterentwickelt — praktisch, wenn du auch nach Frankreich fakturierst.
Der Fallstrick: Weichen PDF-Ansicht und eingebettete Daten voneinander ab, sind laut BMF-Schreiben vom 15. Oktober 2025 die strukturierten Daten maßgeblich. Wer das PDF nachträglich „schön macht“, ohne das XML zu ändern, verschickt eine Rechnung, deren sichtbarer Teil nicht gilt.
Der direkte Vergleich
| XRechnung | ZUGFeRD | |
|---|---|---|
| Dateiform | XML | PDF/A-3 mit eingebettetem XML |
| Für Menschen lesbar | nur mit Zusatzprogramm | ja, direkt |
| Typischer Einsatz | öffentliche Auftraggeber | Rechnungen zwischen Unternehmen |
| Erfüllt EN 16931 | ja | ja (ab Profil EN 16931 / Comfort) |
| Besonderheiten | Leitweg-ID häufig Pflicht | Bild und Daten müssen übereinstimmen |
Wie du dich entscheidest
Die ehrliche Antwort lautet: Du entscheidest dich nicht — deine Kunden tun es. Drei Faustregeln reichen in der Praxis:
- Öffentliche Auftraggeber → XRechnung, Leitweg-ID vorher erfragen.
- Geschäftskunden ohne besondere Vorgaben → ZUGFeRD. Es funktioniert immer, weil das PDF im Zweifel jeder lesen kann.
- Große Konzerne oder Handelsketten → nachfragen. Dort laufen oft eigene Portale oder EDI-Verfahren, und das gewünschte Format steht in den Lieferbedingungen.
Eine gute Rechnungssoftware nimmt dir diese Frage weitgehend ab: Du erfasst die Rechnung einmal und wählst beim Versand das Format. Genau so ist es in Kontoflow gelöst — aus demselben festgeschriebenen Beleg entsteht wahlweise ZUGFeRD oder XRechnung, ohne dass du Daten doppelt pflegst.
Du möchtest sehen, wie das aussieht? Die Demo erzeugt beide Formate aus einer echten Beispielrechnung — inklusive der Prüfregeln, die vor dem Festschreiben laufen.
Fazit
XRechnung und ZUGFeRD sind keine Konkurrenten, sondern zwei Antworten auf dieselbe Norm. Das eine ist für Maschinen gemacht und in der Verwaltung zu Hause, das andere behält den vertrauten Blick auf die Rechnung bei. Wer beides ausstellen kann, muss die Frage nie wieder grundsätzlich klären — sondern nur noch pro Kunde einmal ankreuzen.
Häufige Fragen
Ist ZUGFeRD schlechter als XRechnung?
Nein. Beide erfüllen die europäische Norm EN 16931 und sind gleichermaßen zulässige E-Rechnungen. ZUGFeRD ist zusätzlich für Menschen lesbar, weil die Daten in einem PDF stecken.
Welches Format brauche ich für öffentliche Auftraggeber?
In aller Regel XRechnung, häufig zusammen mit einer Leitweg-ID, die dir der Auftraggeber mitteilt. Frag im Zweifel vor der ersten Rechnung nach.
Welche XRechnung-Version gilt aktuell?
Gültig ist Version 3.0.2. Version 4.0 ist für Mitte bis Ende 2026 angekündigt, abhängig von der Freigabe der überarbeiteten EU-Norm; danach wird es eine Übergangsfrist geben.
Was ist Factur-X?
Das französische Gegenstück zu ZUGFeRD. Beide werden gemeinsam weiterentwickelt und sind technisch praktisch identisch — deshalb funktioniert eine ZUGFeRD-Rechnung auch bei französischen Geschäftspartnern.
Quellen und weiterführende Informationen
Wir bauen eine Buchhaltung für kleine Unternehmen — und schreiben über das, worüber wir dabei selbst stolpern. Fachliches belegen wir mit Quellen und nennen zu jedem Beitrag den Stand, auf den er sich bezieht. Für Ihren Einzelfall ersetzt das keine Steuerberatung.
Weiterlesen
E-Rechnungspflicht 2027 und 2028: Die Fristen, die Ausnahmen und was jetzt zu tun ist
Empfangen müssen alle schon seit 2025. Ausstellen wird ab 2027 zur Pflicht — aber zunächst nur für größere Unternehmen. Wer wann dran ist, welche …
GoBD einfach erklärt: Was kleine Unternehmen wirklich beachten müssen
Die GoBD klingen nach einem Regelwerk für Konzerne, treffen aber jeden, der Belege am Computer verwaltet. Der Kern lässt sich in fünf Sätzen sagen — und …
Kleinunternehmer und E-Rechnung: Was seit 2025 gilt — und was oft falsch verstanden wird
Zwei Neuerungen treffen Kleinunternehmer gleichzeitig: geänderte Umsatzgrenzen und die E-Rechnung. Die gute Nachricht ist, dass du beim Ausstellen …